Eine neue Ära für Batterien in der EU
Die EU-Batterieverordnung (Verordnung 2023/1542) markiert einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Batterien in Europa reguliert werden. Die alte Batterierichtlinie von 2006 war nicht für eine Welt aus Elektrofahrzeugen, Energiespeichern und zunehmend komplexen Lieferketten gemacht. Die neue Verordnung schließt diese Lücke – und ihr Anwendungsbereich ist weit.
Wenn Ihr Unternehmen Produkte mit Batterien herstellt, einführt oder vertreibt, ist diese Verordnung für Sie relevant. In diesem Artikel gehen wir durch, was die Verordnung abdeckt, welche Fristen Sie kennen müssen und wie Sie sich am besten vorbereiten.
Was deckt die Batterieverordnung ab?
Die Verordnung gilt für alle Batterien, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden – unabhängig von Art, Größe oder Verwendung. Sie unterscheidet fünf Kategorien:
- Gerätebatterien – die kleinen Batterien in Alltagsprodukten wie Fernbedienungen, Spielzeug und Werkzeugen.
- Starterbatterien (SLI) – vor allem in Fahrzeugen für Starten, Beleuchtung und Zündung.
- Traktionsbatterien für Elektrofahrzeuge (EV) – die großen Batteriepakete in Elektrofahrzeugen und E-Scootern.
- Industriebatterien – Batterien für Energiespeicher, Notstromsysteme und industrielle Anwendungen.
- Batterien für leichte Verkehrsmittel (LMT) – eine neue Kategorie für Batterien von E-Bikes, E-Scootern und Ähnlichem.
Wichtig zu verstehen: Die Verordnung gilt nicht nur für Batteriehersteller. Auch Einführer, Händler und Unternehmen, die Batterien in ihre Produkte einbauen, haben Pflichten.
Zeitplan: die wichtigsten Fristen von 2025 bis 2031
Die Batterieverordnung wird schrittweise mit gestaffelten Fristen eingeführt. Das sind die zentralen Meilensteine, die Sie kennen sollten:
2025
- 18. Februar 2025: Pflicht zur Erklärung des CO2-Fußabdrucks für Elektrofahrzeugbatterien, oder 12 Monate nach Inkrafttreten der delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte der Kommission zur Berechnungsmethode und zum Format der Erklärung, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
- 18. August 2025: Das Symbol für die getrennte Sammlung ist auf allen Batterien vorgeschrieben. Die allgemeinen Angaben und die Kapazitätsangaben auf dem Etikett folgen ab dem 18. August 2026 oder 18 Monate nach Inkrafttreten des Durchführungsrechtsakts der Kommission zur Kennzeichnung, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
2026
- 18. Februar 2026: Pflicht zur Erklärung des CO2-Fußabdrucks für wiederaufladbare Industriebatterien über 2 kWh (außer solchen mit ausschließlich externer Speicherung), oder 18 Monate nach Inkrafttreten der delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
- 18. August 2026: Etikett mit der Leistungsklasse für den CO2-Fußabdruck von Elektrofahrzeugbatterien, oder 18 Monate nach Inkrafttreten der delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte zu den Leistungsklassen, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
2027
- 18. Februar 2027: Gerätebatterien in Geräten müssen vom Endnutzer leicht entnommen und ausgetauscht werden können (mit bestimmten Ausnahmen).
- 18. Februar 2027: Alle Batterien müssen einen QR-Code tragen, der Zugang zum Batteriepass oder zu den Batterieinformationen gibt.
- 18. Februar 2027: Pflicht zum Batteriepass für LMT-Batterien, Industriebatterien über 2 kWh und Elektrofahrzeugbatterien.
- 18. August 2027: Die Sorgfaltspflichten für Batterien gelten, nach einer zweijährigen Verschiebung durch die Verordnung (EU) 2025/1561.
2028 und danach
- 18. Februar 2028: Höchstwert für den CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus von Elektrofahrzeugbatterien, oder 18 Monate nach Inkrafttreten des delegierten Rechtsakts, der ihn festlegt, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
- 18. August 2028: Dokumentation des Rezyklatanteils bei Industriebatterien über 2 kWh (außer solchen mit ausschließlich externer Speicherung), Elektrofahrzeugbatterien und Starterbatterien (SLI), oder 24 Monate nach Inkrafttreten des delegierten Rechtsakts zur Berechnungsmethode, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
- 18. August 2031: Mindestanteile an Rezyklat für Blei, Kobalt, Lithium und Nickel.
Die EU hat die Sorgfaltspflichten 2025 um zwei Jahre verschoben, und mehrere weitere Fristen hängen von delegierten Rechtsakten und Durchführungsrechtsakten ab. Vorbereitung ist deshalb unerlässlich.
Die zentralen Anforderungen im Einzelnen
Erklärung zum CO2-Fußabdruck
Für Elektrofahrzeugbatterien, wiederaufladbare Industriebatterien über 2 kWh und, ab dem 18. August 2028, LMT-Batterien ist eine Erklärung zum CO2-Fußabdruck zu erstellen, die die gesamte Klimawirkung der Batterie von der Rohstoffgewinnung bis zur Produktion abbildet. Die Berechnung muss einer standardisierten Methode folgen, die die Europäische Kommission festlegt.
Das setzt voraus, dass Sie Ihre Lieferkette vollständig überblicken und belastbare Daten zu Energieverbrauch, Materialien und Transport bei Ihren Lieferanten erheben können.
Anforderungen an den Rezyklatanteil
Ab dem 18. August 2031 müssen Industriebatterien über 2 kWh (außer solchen mit ausschließlich externer Speicherung), Elektrofahrzeugbatterien und Starterbatterien (SLI) einen Mindestanteil an recycelten Materialien enthalten. Die ersten Zielwerte lauten:
- 16 % Kobalt aus dem Recycling
- 6 % Lithium aus dem Recycling
- 6 % Nickel aus dem Recycling
- 85 % Blei aus dem Recycling
Höhere Zielwerte gelten ab dem 18. August 2036 (26 % Kobalt, 12 % Lithium, 15 % Nickel, 85 % Blei); dann sind auch LMT-Batterien erfasst. Schon ab dem 18. August 2028 müssen Sie den Anteil an recyceltem Material in Ihren Batterien belegen können.
Kennzeichnung und QR-Code
Alle Batterien müssen eine klare Kennzeichnung mit Angaben zu Kapazität, Lebensdauer, chemischer Zusammensetzung und getrennter Sammlung tragen. Ab dem 18. Februar 2027 müssen alle Batterien zusätzlich einen QR-Code tragen, über den weitere Produktinformationen digital abrufbar sind.
Der QR-Code ist ein Vorläufer des umfassenderen digitalen Produktpasses, den die EU über mehrere Rechtsvorschriften hinweg einführt. In Alle EU-Compliance-Änderungen 2025 im Überblick sehen Sie, wie die Batterieverordnung mit ESPR, GPSR und anderen Regelwerken zusammenspielt.
Sorgfaltspflichten in der Lieferkette
Ab dem 18. August 2027 müssen Wirtschaftsakteure, die Batterien auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, eine Strategie zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten für ihre Lieferkette aufstellen und umsetzen; Akteure mit einem Nettojahresumsatz unter 40 Millionen Euro, die nicht Teil einer größeren Gruppe sind, sind ausgenommen. Die Anforderung orientiert sich an den OECD-Leitsätzen zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht und umfasst:
- Ermittlung und Bewertung von Risiken für Menschenrechte und Umwelt.
- Vermeidung und Minderung der ermittelten Risiken.
- Veröffentlichung der Strategie zur Erfüllung der Sorgfaltspflichten und ihrer Ergebnisse.
- Überprüfung des Sorgfaltspflichtensystems durch Dritte.
Die Anforderung gilt für die gesamte Lieferkette – vom Abbau der Rohstoffe bis zur fertigen Batteriezelle. Das stellt erhebliche Anforderungen an das Lieferantenmanagement und den Datenaustausch.
Batteriepass: der digitale Produktpass
Der Batteriepass ist eines der weitreichendsten Elemente der Verordnung. Ab Februar 2027 müssen LMT-Batterien, Industriebatterien über 2 kWh und Elektrofahrzeugbatterien einen digitalen Pass mit ausführlichen Angaben führen zu:
- chemischer Zusammensetzung und Materialien der Batterie,
- Daten zum CO2-Fußabdruck,
- Rezyklatanteil,
- Lebensdauer- und Leistungsdaten,
- Anleitungen zur Demontage und zum Recycling,
- Informationen zu den Sorgfaltspflichten in der Lieferkette.
Der Batteriepass muss über eine eindeutige Kennung zugänglich sein und in einem dezentralen Datensystem gespeichert werden. Er ist eng mit der umfassenderen Vision der EU für den digitalen Produktpass verknüpft und dürfte als Vorbild für weitere Produktkategorien dienen.
Auch das Verhältnis zwischen Batterien und anderen chemischen Stoffen ist im Blick zu behalten. In Was RoHS und Stoffbeschränkungen bedeuten lesen Sie, wie sich Stoffbeschränkungen auf die Batterieproduktion auswirken.
Wer ist verantwortlich?
Die Verordnung verteilt die Verantwortung auf mehreren Ebenen:
- Hersteller tragen die Hauptverantwortung für die Konformität, einschließlich Kennzeichnung, Dokumentation, Erklärung zum CO2-Fußabdruck und Batteriepass.
- Einführer müssen sicherstellen, dass Batterien von Herstellern aus Drittländern alle Anforderungen erfüllen, bevor sie auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden.
- Händler müssen prüfen, ob die erforderliche Kennzeichnung und die erforderlichen Informationen vorhanden sind.
- Bevollmächtigte können von Herstellern außerhalb der EU benannt werden, um bestimmte Compliance-Pflichten wahrzunehmen.
Beachten Sie: Auch Unternehmen, die Produkte mit fest verbauten Batterien verkaufen (etwa Elektronik, Werkzeuge oder Fahrzeuge), können Pflichten nach der Verordnung haben – insbesondere zur Austauschbarkeit und zur Kennzeichnung der Batterien.
So bereiten Sie sich vor: konkrete Schritte
- Erfassen Sie Ihre Batterieprodukte – Ermitteln Sie alle Produkte Ihres Sortiments, die Batterien enthalten, und ordnen Sie sie den Kategorien der Verordnung zu.
- Bewerten Sie Ihre Lieferkette – Haben Sie ausreichend Überblick darüber, woher Ihre Batterien stammen und welche Materialien sie enthalten?
- Bereiten Sie Änderungen an der Kennzeichnung vor – Prüfen Sie Ihre bestehenden Etiketten und Verpackungen und planen Sie Aktualisierungen mit Vorlauf.
- Bauen Sie eine Dateninfrastruktur auf – Der Batteriepass verlangt strukturierte, digitale Daten. Beginnen Sie jetzt damit, die nötigen Systeme aufzubauen.
- Binden Sie Ihre Lieferanten ein – Sie benötigen von Ihren Lieferanten Daten zu CO2-Fußabdruck, Rezyklatanteil und Sorgfaltspflichten. Suchen Sie früh das Gespräch.
- Verfolgen Sie die delegierten Rechtsakte – Viele technische Einzelheiten stehen in delegierten Rechtsakten, die die Europäische Kommission laufend erlässt. Bleiben Sie auf dem Stand.
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