2025 ist ein Wendejahr für die EU-Produktregulierung
Wenn Sie Produkte auf dem europäischen Markt herstellen, importieren oder vertreiben, ist 2025 ein Jahr, das Sie sich nicht leisten können, auf die leichte Schulter zu nehmen. Eine Reihe neuer Verordnungen tritt in Kraft oder erreicht wichtige Meilensteine – und zusammen zeichnen sie die Konturen einer völlig neuen Ära der Produkt-Compliance in der EU.
In diesem Artikel geben wir Ihnen einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Regeländerungen 2025 – und was Sie konkret tun sollten, damit Ihr Unternehmen bereit ist.
GPSR: Die neue Produktsicherheitsverordnung gilt jetzt
Am 13. Dezember 2024 hat die Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR) die alte Produktsicherheitsrichtlinie von 2001 abgelöst. Das bedeutet: Für alle nicht harmonisierten Verbraucherprodukte gelten nun strengere Anforderungen an Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und Marktüberwachung.
Für Ihr Unternehmen bedeutet die GPSR unter anderem:
- Erweiterte Rückverfolgbarkeitsanforderungen – alle Produkte müssen über die gesamte Lieferkette rückverfolgbar sein.
- Strengere Anforderungen an den Online-Verkauf – auch Marktplätze wie Amazon und andere Plattformen sind nun verpflichtet, Konformität sicherzustellen.
- Pflicht zur internen Risikoanalyse – Sie müssen dokumentieren, dass Ihr Produkt sicher ist, auch wenn es nicht von spezifischen harmonisierten Normen erfasst wird.
- Neue Meldepflichten – ernste Vorkommnisse müssen über das Safety-Gate-System gemeldet werden.
Viele Unternehmen unterschätzen die Tragweite der GPSR, weil sie annehmen, sie gelte nur für „gefährliche” Produkte. Tatsächlich hat sie eine große Reichweite. Lesen Sie mehr über die GPSR und Produktsicherheit für eine vertiefte Übersicht.
Die Batterieverordnung: die ersten Fristen rücken näher
Die EU-Batterieverordnung (Verordnung (EU) 2023/1542) ist bereits erlassen und ersetzt die alte Batterierichtlinie. Die Verordnung erfasst alle Arten von Batterien – von Knopfzellen in der Unterhaltungselektronik bis zu Industriebatterien und EV-Batterien.
2025 greifen die ersten Pflichten:
- Kennzeichnungspflichten für Gerätebatterien, einschließlich Angaben zu Kapazität und Lebensdauer.
- Erklärung zum CO2-Fußabdruck für EV-Batterien – auf dem Weg mit den delegierten Rechtsakten.
- Sorgfaltspflichten für Wirtschaftsakteure in der Lieferkette.
Ab 2027 werden die Anforderungen mit der Batteriepass-Pflicht und Mindestanforderungen an den Rezyklatanteil weiter verschärft. Verstehen Sie die Batterieverordnung im Detail – mit dem vollständigen Zeitplan und den konkreten Anforderungen für Ihr Unternehmen.
Digitaler Produktpass (DPP): die Zukunft der Produktdokumentation
Der digitale Produktpass ist längst kein Schlagwort mehr – er wird regulatorische Realität. Der DPP ist eine digitale Sammlung von Produktdaten, die ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleitet – von der Produktion über die Nutzung bis zum Recycling.
Der DPP wird in mehreren Rechtsrahmen verpflichtend, darunter die Batterieverordnung (Batteriepass) und die kommende ESPR. Für Sie heißt das, Sie müssen:
- strukturierte Produktdaten in digitalem Format liefern können,
- den Zugang über QR-Codes oder andere Datenträger am Produkt sicherstellen,
- die Daten über die gesamte Lebensdauer des Produkts aktuell halten.
Unternehmen, die schon jetzt beginnen, ihre Produktdaten digital zu strukturieren, verschaffen sich einen deutlichen Vorteil, wenn die Anforderungen vollständig greifen.
ESPR: die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte
Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) weitet die bestehende Ökodesign-Richtlinie von energieverbrauchsrelevanten Produkten auf nahezu alle physischen Produkte auf dem EU-Markt aus. Die ESPR ist der übergeordnete Rahmen, der Anforderungen vorantreiben wird an:
- Haltbarkeit und Reparierbarkeit – Produkte müssen so gestaltet sein, dass sie länger halten.
- Recyclingfähigkeit – Anforderungen an Materialdeklarationen und Rezyklatanteile.
- Digitaler Produktpass – der DPP wird zum zentralen Element der ESPR.
- Vernichtungsverbot für unverkaufte Waren – für bestimmte Produktkategorien.
Die ersten produktspezifischen Regeln unter der ESPR werden für 2025 und 2026 erwartet, mit Textilien und Elektronik als wahrscheinlichen Vorreitern. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu erfassen, welche Ihrer Produktkategorien zuerst betroffen sein werden.
Verstärkte Marktüberwachung
Die EU hat in den letzten Jahren erheblich in die Stärkung der Marktüberwachung investiert. Die Marktüberwachungsverordnung (Verordnung (EU) 2019/1020) hat den Behörden mehr Befugnisse gegeben, und 2025 sehen wir die Folgen:
- Mehr Kontrollen an der Grenze und online – die Zollbehörden stoppen zunehmend Produkte, denen die Dokumentation fehlt.
- Koordinierte EU-Aktionen – nationale Behörden arbeiten bei gezielten Kampagnen in bestimmten Produktkategorien zusammen.
- Höhere Bußgelder und Sanktionen – die Konsequenzen fehlender Konformität werden spürbarer.
Wenn Ihre Dokumentation nicht in Ordnung ist, ist das Risiko, aufzufallen, höher als je zuvor.
Cyber Resilience Act: Cybersicherheit für Produkte
Der Cyber Resilience Act (CRA) ist die Antwort der EU auf die wachsende Cyberbedrohung für vernetzte Produkte. Die Verordnung wurde 2024 erlassen und führt Cybersicherheitsanforderungen für alle Produkte mit digitalen Elementen ein – vom smarten Haushaltsgerät bis zur industriellen IoT-Ausrüstung.
Zu den wichtigsten Anforderungen gehören:
- Security by Design – Cybersicherheit muss von Beginn der Produktentwicklung an eingebaut werden.
- Laufende Sicherheitsupdates – Hersteller müssen Sicherheitsupdates über die erwartete Lebensdauer des Produkts bereitstellen (mindestens 5 Jahre).
- Schwachstellenmanagement – Sie brauchen Prozesse, um Sicherheitslücken zu identifizieren und zu beheben.
- Meldepflicht – aktiv ausgenutzte Schwachstellen müssen innerhalb von 24 Stunden an die ENISA gemeldet werden.
Der CRA greift vollständig ab 2027, aber die Vorbereitungen sollten jetzt beginnen – vor allem, wenn Sie Produkte mit Software oder Netzwerkanbindung verkaufen.
Was sollte Ihr Unternehmen JETZT tun?
Bei so vielen parallelen Regeländerungen kann alles überwältigend wirken. Aber es gibt konkrete Schritte, die Sie heute gehen können:
- Führen Sie ein Compliance-Mapping durch – Welche Ihrer Produkte sind von welchen Verordnungen betroffen? Beginnen Sie mit einer Übersicht.
- Überprüfen Sie Ihre Dokumentation – Sind Ihre technischen Unterlagen aktuell und vollständig? Fehlen Rückverfolgbarkeitsinformationen?
- Bereiten Sie sich auf den DPP vor – Beginnen Sie, Ihre Produktdaten digital zu strukturieren. Je früher Sie anfangen, desto leichter fällt der Übergang.
- Behalten Sie die Fristen im Blick – Die verschiedenen Verordnungen haben gestaffelte Geltungsbeginne. Tragen Sie sie in Ihren Kalender ein.
- Binden Sie die gesamte Organisation ein – Compliance ist nicht nur Sache der Qualitätsabteilung. Auch Einkauf, Produktentwicklung und Vertrieb müssen mitwirken.
Conphora: Ihr Monitoring-Werkzeug für EU-Compliance
All diese Regeländerungen manuell zu verfolgen, ist eine unlösbare Aufgabe. Die Regeln ändern sich laufend, neue delegierte Rechtsakte werden erlassen, und Fristen verschieben sich.
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